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Karla Kolumna - Aufreger von gestern
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14 Stunden Vollgas: Wie Donald Trump mit einem Schnapsglas Putin-Öl die Weltordnung rettet

Donald Trump kauft 300.000 Einheiten Öl bei Wladimir Putin – und der mediale Betrieb zwischen Berlin und Washington steht kurz vor dem Kammerflimmern. Warum der vermeintliche „Mega-Deal“ bei einem Tagesverbrauch von 500.000 in Wahrheit kaum bis zum Abendfilm reicht und weshalb unser Taschenrechner gerade bitterlich weint.

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Liebe Freunde der gepflegten Zapfsäulen-Romantik, geschätzte Sanktions-Sommeliers und alle, die dachten, „Drill, baby, drill“ sei ein geografischer Hinweis auf Texas und nicht die Vorwahl von Moskau,

atmen Sie erst mal tief durch. Nehmen Sie einen Schluck lauwarmen Hafer-Macchiato und legen Sie die geopolitischen Papiertüten gegen Schnappatmung bereit. Es ist mal wieder passiert: Das politische Berlin, die Brüsseler Kommissionstristesse und sämtliche transatlantischen Stuhlkreise von Lanz bis Maischberger befinden sich im kollektiven Schockzustand.

Donald Trump hat es getan. Er hat mit Wladimir telefoniert und Öl eingekauft. 300.000 Einheiten! Eine Zahl, so wuchtig, so strotzend vor maskuliner Tankstellen-Energie, dass in den Redaktionsstuben sofort sämtliche roten Eilmeldungs-Sirenen losgingen. „Der Pakt mit dem Kreml!“, „Sanktions-Dammbruch!“, „Trump flutet Amerika mit Putin-Sprit!“ Man hatte beim Blick aufs Smartphone kurz das Gefühl, vor der Küste Floridas würde gerade eine schwimmende Pipeline im Maßstab der Chinesischen Mauer verlegt.

Spulen wir das Band kurz zurück. Erinnern Sie sich noch, wie wir Europäer – und ganz besonders wir Deutschen mit unserer romantischen Vorliebe für russische Gasröhren – jahrelang aus Washington behandelt wurden? Wie rückfällige Kettenraucher auf der Lungenstation! Wer auch nur ein Molekül russischer Energie importiert, so hieß es aus Übersee, finanziert eigenhändig den Untergang des Abendlandes. Noch vor wenigen Wochen hat derselbe Donald Trump mit stolzgeschwellter Brust Sanktionsgesetze unterschrieben, um jeden Drittstaat abzustrafen, der russisches Öl auch nur schief anschaut. Moralische Wagenburg aus Titan.

Und dann? Dann klettert der Spritpreis an den US-Zapfsäulen vor den Wahlen in ungemütliche Höhen, und plötzlich gilt in Washington das alte Adenauer-Motto in der Mar-a-Lago-Edition: Was interessiert mich mein Sanktionsgesetz von gestern, wenn der Trucker in Ohio heute beim Tanken schlechte Laune kriegt? Ein Griff zum goldenen Hörer, Sanktionen gelockert, Deal eingetütet. Prinzipien sind eben doch nur das, was man sich leistet, solange die Gallone unter vier Dollar steht.

Aber jetzt verlassen wir mal kurz die Empörungs-Manege und betreten ein Gebiet, das im modernen Politikjournalismus ungefähr so beliebt ist wie Fußpilz im Freibad: das reale Verhältnis.

Trump kauft 300.000. Klingt für jemanden mit einem 2.000-Liter-Heizöltank im Reihenhauskeller nach dem flüssigen Eldorado. Nur blöd, dass der tägliche Verbrauch dort drüben bei geschmeidigen 500.000 liegt.

Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um zu merken: Dieser „historische Mega-Deal“ deckt gerade mal gute 60 Prozent eines einzigen Tagesbedarfs! Wenn die Amerikaner morgens um sechs Uhr anfangen, Trumps Putin-Import zu verheizen, dann bleibt der letzte Truck abends gegen halb neun – also pünktlich nach der Tagesschau, noch bevor bei Netflix der Vorspann vom Abendfilm durchgelaufen ist – mit trockenem Tank auf dem Standstreifen liegen.

300.000 bei 500.000 Tagesbedarf – das ist kein „strategischer Befreiungsschlag“. Das ist, als würden Sie auf dem Münchner Oktoberfest um 18 Uhr abends ins vollbesetzte Schottenhamel-Zelt marschieren, ein einzelnes warmes 0,33-Liter-Radler von der Tankstelle auf den Tisch knallen und durchs Megafon brüllen: „Leute, die Bierkrise ist beendet, der Maggus hat geliefert!“ Ein homöopathisches Placebo, das verpufft wie ein Wassertropfen auf einer heißen Herdplatte.

Doch was macht das Medientheater daraus? Es springt nicht nur über das Stöckchen, es macht einen dreifachen Salto mit Schraube darüber! In den Talkshows sitzen ernst blickende Menschen mit randlosen Brillen, legen die Fingerspitzen zur Raute zusammen und raunen über die „neue geoökonomische Abhängigkeit Washingtons vom Ural“. Niemand sagt den einfachen Satz: „Leute, regt euch ab, das reicht für einen halben Donnerstag.“ Warum nicht? Weil „Sprit für 14 Stunden“ keine Klicks bringt. „Der Milliarden-Pakt mit dem Diktator“ hingegen füllt Sendezeit und verkauft Abos.

Und genau hier liegt das zynische Genie dieses Manövers. Glauben Sie ernsthaft, im Weißen Haus wüsste niemand, dass diese Pfütze an der Zapfsäule exakt gar nichts bewegt? Natürlich wissen die das!

Aber Trump wollte kein Öl kaufen. Trump wollte eine Schlagzeile kaufen. Und die hat er zum Schnäppchenpreis bekommen. Für den Gegenwert einer besseren Vorratskammer-Füllung dominiert er tagelang den globalen Nachrichtenzyklus. Seine Basis feiert ihn als Macher, seine Gegner toben über den Sanktionsbruch (was seiner Basis erst recht gefällt), und Putin lacht sich im Kreml kaputt, wie billig westliche Prinzipien zu haben sind. Maximale Show bei minimalem physikalischen Einsatz.

Was bleibt als Moral von der Geschicht’? Wir leben in einer reinen Symbol-Ökonomie, in der große Zahlen ohne Kontext die härteste Währung der Welt sind. Wer heute Politik machen will, braucht keine Lösungen mehr – er braucht nur noch eine Ziffer mit genügend Nullen für die Bauchbinde und ein Publikum, das zu bequem zum Nachrechnen ist.

In diesem Sinne: Fahren Sie rechts ran, schalten Sie den Motor im Stand aus und glauben Sie keiner Zahl mit fünf Nullen, die Sie nicht selbst gegen das Tageslicht gehalten haben.

Ihr kopfschüttelnd den Taschenrechner suchende ahso.de-Entschleuniger

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