Es gibt Abende, da fragt man sich, ob man aus Versehen in einem Fellini-Film gelandet ist. Und dann gibt es die 'Weiße Nacht' in Garmisch-Partenkirchen, die dieses Gefühl quasi zur oberbayerischen Maxime erhebt. Am 27. Juni ist es wieder so weit: Das Garmischer Zentrum verwandelt sich in einen einzigen Laufsteg der Lebensfreude, ein Happening in strahlendem Weiß. Man muss den Hut ziehen vor der lokalen Werbegemeinschaft, die hier nicht einfach nur ein Festzelt aufstellt, sondern eine ganze Inszenierung auf die Beine stellt. Man könnte es auch als konzertierte Aktion gegen die Tristesse des Alltags bezeichnen.
Herzstück des Ganzen ist eine Tafel, so lang, dass man am einen Ende eine Vorspeise bestellt und am anderen mit dem Dessert fertig ist. 500 Meter weißgedeckte Glückseligkeit, an der die lokale Gastro-Szene beweist, dass sie das kulinarische Feingefühl eines Großstadt-Hotspots besitzt. Dazu wabern Lounge-Klänge von vier Bühnen durch die Gassen und mischen sich mit dem Stimmengewirr der gut gelaunten Menge. Es ist eine Demonstration. Eine Machtdemonstration des lokalen Gewerbes, das hier zeigt: Wir können nicht nur Tradition, wir können auch Spektakel. Ein Hoch auf Garmisch, die heimliche Metropole des guten Lebens.